#MeToo

War der Fernsehregisseur Dieter Wedel sexuell übergriffig?

Dieter Wedel

Die #MeToo-Debatte erreicht nun auch Deutschland mit einem ersten prominenten Fall: Im “Zeit Magazin” werfen mehrere Frauen dem Regisseur Dieter Wedel, der mit Mehrteilern wie “Der König von St. Pauli” oder “Der große Bellheim” große Publikumserfolge landete, sexuelle Übergriffe vor. In dem Artikel werden die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann namentlich genannt.

Weiterlesen im Originalartikel der Zeit vom 3.1.2018 

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UPDATES

• Anwalt Christian Schertz zum Fall Wedel:  “Wir müssen über das System des Schweigens nachdenken”. Tagesspiegel, 5.2.108.

• Lanz. Gäste: Til Schwieger: Er ist eine der prägendsten Figuren im deutschen Film der Gegenwart. Til Schweiger äußert sich zur aktuellen #meToo-Debatte und den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen Dieter Wedel. Gisela Friedrichsen, Journalistin: Die Gerichtsreporterin spricht in der Sendung über den Prozess gegen Hussein K., der in Freiburg die Studentin Maria L. vergewaltigt und ermordet haben soll und äußert sich zur #meToo-Debatte. Sendung vom 31.1.2018 in der ZDF-Mediatkek.

Intendant sieht “Verdichtung von Hinweisen” gegen Dieter Wedel. Ein Arztbericht erhärtet die Vorwürfe von Schauspielerinnen gegen Dieter Wedel: Das Dokument ist laut internen Recherchen des Saarländischen Rundfunks ein Beleg für sexuelle Übergriffe. SPIEGEL online, 27.1.2018

Dieter Wedel und das ewiger Mackertum. Was bei den Vorwürfen gegen den deutschen Regisseur verstört, ist die hohe Zahl von Beteiligten, die ganz oder ziemlich genau wussten, wie er mit Frauen umging – in aller Öffentlichkeit. WELT, 27.1.2018

Was die Vorwürfe gegen Dieter Wedel so unfassbar macht. Alle haben davon gewusst. bento, 26.1.2018

Nach neuen, schweren Vorwürfen gegen Dieter Wedel. Hier das Ergebnis einer BILD-Anfrage bei Weggefährten. – Um’s kurz zu machen: Die Antwort lautete einhellig: “Kein Kommentar.” – BILD, 26.1.2018

Beschuldigter Regisseur. Fall Wedel: So ist die Rechtslage bei Verjährung.
Die Verjährungsfristen und die juristische Beurteilung der von mehreren Frauen erhobenen Vorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel sind kompliziert. Eine Gesetzesänderung aus dem Jahr 2015 änderte die Rechtslage – und macht nun eine Anklage möglich. BR24, 26.1.2018

Darum sprechen die Frauen erst jetzt. Traumatherapeut Dr. Christian Lüdke ist spezialisiert auf Opferbetreuung. Er erklärt, warum Frauen nach einer Vergewaltigung oft jahrelang schweigen: „Die betroffenen Frauen standen oder stehen in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Täter. Sie haben Angst, dass sie z. B. keine Beschäftigung mehr bekommen oder ihnen nicht geglaubt wird, wenn sie das Geschehene öffentlich machen. Viele denken auch, dass sie die Taten selbst verursacht haben und schämen sich. Außerdem fühlen die Opfer sich allein mit der Situation, weil sie z. B. gar nicht wissen, dass es auch anderen Frauen so erging”. BILD, 26.1.2018

Was nie verjährt. Das einzige Verbrechen, das in Deutschland nicht verjährt, ist Mord. Vergewaltigung dagegen schon – spätestens 20 Jahre nach dem 30. Geburtstag des Opfers. Das ist falsch! Das massive Trauma, das die Opfer von Vergewaltigungen erleiden, verjährt nämlich nicht. Sie leiden lebenslänglich. Viele sind innerlich zerbrochen, ihre Seelen wie tot. Die Opfer werden nicht nur körperlich verletzt und missbraucht, sondern auch eingeschüchtert, gedemütigt, seelisch gequält. Sie schweigen, oft viele Jahre. Aus Scham, aus Angst vor dem Täter und erneuter Bloßstellung. Viele schaffen es erst nach jahrelanger Therapie, den Täter anzuzeigen. Und wenn sie endlich die Kraft gefunden haben, ihre Geschichte zu erzählen, kann es nicht heißen: „Sorry, ist verjährt.“ Vergewaltigung ist ein Verbrechen – und muss immer bestraft werden. Die Verjährung schützt die Täter, nicht die Opfer. Kommentar von Ulrike Zeitlinger-Haake, BILD, 25.1.2018

• „Dieter Wedel. Weitere Frauen werfen ihm brutalen Missbrauch vor.Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann einmal auf die Bettkante.“BILD, 25.1.2018

#MeToo-Debatte Hexen, überall Hexen? Viele sprechen heute von einer “Hexenjagd”, um Männer vor Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe zu schützen. Das ist klassische Täter-Opfer-Umkehr – und auf die schlimmste Art geschichtsvergessen. SPIEGEL online, 23.1.2018

Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Dieter Wedel. Nach Vorwürfen gegen den Regisseur Dieter Wedel wegen angeblicher sexueller Übergriffe hat sich die Staatsanwaltschaft München eingeschaltet. Die Behörde ermittelt gegen den 75-Jährigen wegen einer möglicherweise nicht verjährten Sexualstraftat. ZDF, 23.1.2018

Die Tragödie des Dieter Wedel. Ist Wedel das erste deutsche Opfer der grausamen Feministinnen und der denunziatorischen #Metoo-Debatte? Oder ein Vergewaltiger, der noch aus dem Krankenhaus heraus vor lauter Selbstherrlichkeit seine Übergriffe leugnet und bagatellisiert? Man muss sagen: Es spricht viel für Letzteres. TAZ, 22.1.2018

Nach Vorwürfen sexueller Übergriffe. Regisseur Wedel tritt zurück. Dieter Wedel legt sein Amt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele nieder. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe streitet er weiter ab. TAZ, 22.1.2018

Iris Berben sagte der Wochenzeitung “Die Zeit”, es gehe im Kern um Machtmissbrauch, den es in Zukunft zu verhindern gelte. Dabei berichtete sie auch, selbst unangenehme Erfahrungen gemacht zu haben. Iris Berben schildert, wie Wedel sie bei den Dreharbeiten zu der TV-Serie “Halbzeit” in den Siebzigerjahren gedemütigt habe, nachdem sie eine Einladung zum Essen ausschlug. “Er machte mich fertig. Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen.” – Iris Berben ist seit dem Jahr 2010 Präsidentin der Deutschen Filmakademie. Dort werde überlegt, ob es Sinn ergebe, “eine Art Beschwerdestelle bei Filmproduktionen einzurichten, an die sich Betroffene vertrauensvoll wenden können”.  SPIEGEL online, 18.1.2018

Iris Berben berichtet von Schikane durch Dieter Wedel. Die Schauspielerin wirft Dieter Wedel im Gespräch mit der ZEIT vor, sie am Set gedemütigt zu haben. Sie bewundere die Frauen, die den Regisseur öffentlich beschuldigen. ZEIT online, 17.1.2018

Corinna Harfouch zu #MeToo: “Ich merke, wie man sich weiterhin über die Frauen lustig macht”. Schauspielerin Corinna Harfouch mahnt an, dass es im Kollegenkreis an Einsicht fehle. SPIEGEL online, 10.1.2018

Wedels Verhalten war angeblich bekannt. Die Schauspielerin Corinna Harfouch wird als nicht selbst Betroffene mit den Worten zitiert: “Viele haben gewusst, dass Wedel Schauspielerinnen schlecht behandelt und demütigt. Das war ein von allen gestütztes System.” BR24

Wer sind die Frauen, die Dieter Wedel beschuldigen? Im aktuellen “Zeit”-Magazin schildern Jany Tempel und Patricia Thielemann, wie Erfolgsregisseur Dieter Wedel sie vor einigen Jahren sexuell belästigt haben soll. Wedel bestreitet dies. Wer sind die ehemaligen Schauspielerinnen und was machen sie heute? STERN

Mehrere Schauspielerinnen werfen dem Fernsehregisseur Dieter Wedel vor, sie sexuell belästigt zu haben. Sein Name ist der erste, der im Zuge der Metoo-Debatte in Deutschland genannt wurde. Dass sexuelle Belästigung auch in Deutschland Teil der Realität im Filmgeschäft ist, hatten Frauen schon zuvor berichtet, die betreffenden Täter blieben bislang aber anonym. Süddeutsche

Dieter Wedel. Hat er mehrere Frauen sexuell belästigt? Gala

MeToo in Deutschland. Schauspielerinnen werfen Dieter Wedel sexuelle Belästigung vor. Frankfurter Allgemeine

Schauspielerinnen klagen Star-Regisseur an. Schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel. Bild

Wedel wehrt sich gegen Vorwürfe der sexuellen Belästigung. Welt

• Schwere Anschuldigungen. Dieter Wedel weist Vorwürfe sexueller Übergriffe zurück. DWDL

• Ein paar Wochen zuvor berichtet Dieter Wedel über eigene Erfahrungen in einem FHH-Interview: “Auch Übergriffe gegen Männer. „Auch Männer sind Übergriffen ausgesetzt“, sagt Dieter Wedel und berichtet davon, dass er als junger Schauspieler immer für schwul gehalten worden sei. „Homosexuelle Regisseure und Schauspieler haben mich mächtig unter Druck gesetzt. Aber ich habe nicht nachgegeben. Und ich bin auch nicht gebrochen worden.“ Wie er damit am besten umgehen könne, habe er von einer Schauspielkollegin erfahren, deren Namen er nicht nannte. „Eine schöne Frau, eine ganz tolle Schauspielerin hat mir mal gesagt ´Nicht immer nein sagen. Sag lieber Vielleicht. Dann sagen alle, ich muss noch ein bisschen warten, aber vielleicht klappt es. () So halte ich die hin, sonst hätte ich ja nur Feinde´.“

 

Bildnachweis: Creative Commons

 


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Gewalt gegen Frauen ist Gewalt von Männern. Weiterlesen …

• Jede dritte Frau in Europa ist Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. 215.000 sexuelle Gewaltverbrechen – 90 % der Oper sind weiblich – 99% der für diese Verbrechen Inhaftierten sind Männer. (Stand registierter Fälle in der EU im Jahr 2015). Weiterlesen …

• Weinstein ist nicht der erste und nicht der letzte “Prominente”, dem nachgesagt wird, sich sexuell an Frauen bzw. Männern vergangen zu haben. Die #MeToo-Kampagne hat einen Sicherheitsraum geschaffen, in dem die Opfer sich trauen, ihr Schweigen zu brechen. Weiterlesen …

Wieso melden sich Opfer sexueller Gewalt spät oder gar nicht? Die Psychoanalytikerin Marie-France Hirigoyen weiß, warum. Sie hat die Macht der Missbrauchtäter à la Weinstein erforscht – und benennt die „Masken der Niedertracht“. Weiterlesen …

Sex muss freiwillig sein. Ist er nicht freiwillig ist er nicht legal. Weiterlesen …

 

Hier gibt es Hilfe:

Solltest Du oder eine Deiner Freundinnen von häuslicher oder Partnerschaftsgewalt betroffen sein, kannst du auf unterschiedlichen Wegen Hilfe holen:

Das Hilfetelefon “Gewalt gegen Frauen” bietet unter der Telefonnummer 08000-116016 eine bundesweite 24-Stunden-Beratung, die kostenlos eine anonyme, erste Beratung in 18 Sprachen ermöglicht.

“Gewaltlos” heißt der Internet-Chat des Sozialdienstes katholischer Frauen. Dort kann man sich anonym und kostenlos (auch ohne konfessionelles Bekenntnis) beraten lassen. https://gewaltlos.de

“Freund und Helfer” – in jeder Polizeidienststelle kann man sich über Beratungsangebote informieren sowie Straftaten anzeigen. Der Polizeinotruf ist die erste Anlaufstelle, wenn der Täter Deine eigene Freizügigkeit eingeschränkt hat.

Beim Verein der Frauenhauskoordinierung findest Du eine Frauenhaus-Suchmaschine – so kannst du schnell eine Beratungsstelle oder ein Frauenhaus in deiner Nähe finden. Homepage

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