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Haftfragen

Haftfragen

• Untersuchungshaft
• Gefängnis
• Psychiatrische Unterbringung


Harte Fakten:

Was kostet der Freiheitsentzug (Gefängnis / Maßregelvollzug) die Steuerzahler?

1 Jahr Gefängnis kostet die Steuerzahler ca. 44.000 € – 73.000 €
(Schwankungen je nach Bundesland und Haftbedingungen)
Rund 60.000 Personen sind in Deutschland inhaftiert, davon sind ca. 95 % Männer.
>>> d.h. 95 % Männer-Anteil (57.000) kosten die Steuerzahler ca. 2,5 bis 4,2 Milliarden € pro Jahr.
>>> d.h. 5 % Frauen-Anteil (3.000) kosten die Steuerzahler ca. 132 bis 219 Millionen € pro Jahr.

1 Jahr Maßregelvollzug (Psychiatrische Unterbringung / Entziehungsanstalt) kostet die Steuerzahler ca. 110.000 € – 180.000 €
Rund 12.500 Personen sind in Deutschland psychiatrisch untergebracht, davon sind ca. 93,5 % Männer.
>>> d.h. 93,5 % Männer-Anteil (ca. 11.688) kosten die Steuerzahler ca. 1,29 bis 2,10 Milliarden € pro Jahr
>>> d.h. 6,5 % Frauen-Anteil (ca. 813) kosten die Steuerzahler ca. 89,4 bis 146,3 Millionen € pro Jahr

Zusammengefasst:
>>> Kosten für Männer insgesamt: ca. 3,79 bis 6,30 Milliarden € pro Jahr
>>> Kosten für Frauen insgesamt: ca. 221,4 bis 365,3 Millionen € pro Jahr


Untersuchungshaft

Untersuchungshaft (U-Haft) bedeutet, dass eine Person vor einem Gerichtsprozess inhaftiert wird – also noch ohne rechtskräftige Verurteilung. Sie dient nicht als Strafe, sondern als Sicherungsmaßnahme im Strafverfahren.

Was genau ist Untersuchungshaft?

U-Haft wird angeordnet, wenn ein Gericht überzeugt ist, dass:
•  ein dringender Tatverdacht besteht (also starke Hinweise auf eine Straftat)
•  und ein sogenannter Haftgrund vorliegt, z. B.:
•  Fluchtgefahr
•  Verdunkelungsgefahr (Beweise könnten manipuliert werden)
•  Wiederholungsgefahr bei schweren Delikten

Die rechtliche Grundlage ist die Strafprozessordnung (Deutschland), insbesondere §112 StPO.

Wichtige Merkmale der U-Haft

• Sie wird durch einen Richter angeordnet
• Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung
• Sie ist zeitlich begrenzt (grundsätzlich max. 6 Monate, Verlängerung möglich bei komplexen Fällen)
• Unterbringung meist in speziellen Abteilungen von Justizvollzugsanstalten

Was kostet ein Tag Untersuchungshaft?

Die Kosten trägt zunächst der Staat – konkret das jeweilige Bundesland.
Durchschnittliche Kosten: ca. 120 € bis 180 € pro Tag und Person
In manchen Bundesländern auch über 200 € pro Tag, je nach Einrichtung und Aufwand

Diese Kosten setzen sich zusammen aus:
• Personal (Justizvollzugsbeamte, Verwaltung)
• Unterbringung und Verpflegung
• Sicherheitsmaßnahmen
• medizinische Versorgung

Die Kosten der Untersuchungshaft werden zunächst vollständig vom Staat getragen – genauer gesagt vom jeweiligen Bundesland, in dem das Verfahren läuft.

Für die inhaftierte Person fallen erstmal keine direkten Zahlungen an.

Muss der Beschuldigte später zahlen?

Das hängt vom Ausgang des Verfahrens ab:

Bei Verurteilung
Das Gericht kann im Urteil festlegen, dass der Verurteilte die Verfahrenskosten tragen muss
Dazu können auch Haftkosten gehören, aber:
• nicht immer vollständig
• oft nur anteilig
• in der Praxis wird das nicht konsequent durchgesetzt

Bei Freispruch oder Einstellung
Der Staat bleibt auf den Kosten sitzen
Zusätzlich kann der Betroffene eine Entschädigung für die Haftzeit verlangen

Wichtig:
Wenn jemand später verurteilt wird, kann der Staat versuchen, einen Teil der Kosten zurückzufordern – das passiert aber nicht automatisch und nicht immer vollständig.

Besonderheit bei Freispruch
Wird die Person freigesprochen, kann sie unter Umständen eine Entschädigung erhalten – aktuell etwa:
• ca. 75 € pro Tag (Stand: Deutschland)
Das liegt deutlich unter den tatsächlichen Haftkosten.

Wo genau wird U-Haft vollzogen?

In speziellen Untersuchungshaft-Abteilungen innerhalb von Gefängnissen
Oder in eigenen Einrichtungen, die ausschließlich für U-Haft genutzt werden

Beispiele:
Justizvollzugsanstalt München
Justizvollzugsanstalt Berlin-Moabit

Diese Einrichtungen sind staatlich organisiert und gehören zum Justizsystem der Bundesländer

Wie unterscheidet sich das von normaler Haft?

Menschen in Untersuchungshaft gelten rechtlich noch als unschuldig. Deshalb gelten besondere Regeln:

• Trennung von verurteilten Gefangenen
• Strengere Sicherheitsmaßnahmen (z. B. mehr Überwachung)
• Oft eingeschränktere Kontakte (Besuche können überwacht werden)
• Gleichzeitig: Recht auf Verteidigung, Kontakt zum Anwalt etc.

Unterbringung
• Meist Einzelzellen (nicht immer)
• Einfach ausgestattet: Bett, Tisch, Toilette
• Teilweise längere Zeiten allein in der Zelle (je nach Fall und Anstalt)

Kurz zusammengefasst
• U-Haft findet in Gefängnissen (JVA) statt
• Es gibt eigene Bereiche nur für Untersuchungshäftlinge
• Ziel ist Sicherung des Verfahrens, nicht Bestrafung


Gefängnis

Ein Tag im Gefängnis (Strafvollzug) kostet in Deutschland im Durchschnitt etwa 120 € bis 200 € pro Gefangenem – je nach Bundesland und Haftart.

Warum ist das so teuer?
Die Kosten werden vom Staat getragen (also vom jeweiligen Bundesland, z. B. Bayern) und setzen sich aus mehreren Bereichen zusammen:
• Personal (Justizvollzugsbeamte, Verwaltung, Sozialdienste)
• Verpflegung
• Unterbringung & Instandhaltung
• Medizinische Versorgung
• Sicherheitsmaßnahmen
• Resozialisierungsprogramme (Ausbildung, Therapie)

Unterschiede je nach Haftform
Untersuchungshaft (U-Haft): oft etwas teurer (mehr Sicherheit, weniger Gemeinschaft)
Offener Vollzug: günstiger (mehr Eigenverantwortung der Gefangenen)
Geschlossener Vollzug: teurer (höchste Sicherheitsstufe)

Muss der Gefangene das bezahlen?
Grundsätzlich: Nein, der Staat zahlt
Bei Verurteilung können Verfahrenskosten auferlegt werden
Ein direkter „Tagessatz fürs Gefängnis“ wird in der Praxis selten vollständig zurückgefordert

Kurz gesagt
Durchschnitt: 120–200 € pro Tag
Finanzierung: Steuergelder
Ziel: nicht nur Strafe, sondern auch Resozialisierung

Gesamtzahl der Gefangenen

Rund ca. 60.000 Menschen sitzen aktuell in deutschen Gefängnissen. Davon sind rund 20–25 % in Untersuchungshaft. Also etwa jeder vierte Gefangene ( ca. 14.000 – 15.000) ist noch nicht verurteilt.

Das ist ein Durchschnittswert für 2025 und liegt leicht über den Vorjahren.

Aufteilung nach Männern und Frauen

Für einen konkreten Stichtag (31. März 2024):
Prozentuale Verteilung:
Männer: ca. 94–95 %
Frauen: ca. 5–6 %

Das bedeutet: Gefängnisse sind in Deutschland extrem männlich dominiert.

Einordnung:
Die Gesamtzahl schwankt je nach Zeitpunkt zwischen ca. 55.000 und 60.000
Frauen sind eine kleine Minderheit im Strafvollzug
Dieses Verhältnis (ca. 5–6 % Frauen) ist international typisch

Kurz zusammengefasst
Gesamt: ~ 60.000 Gefangene
Verhältnis: etwa 95 % Männer / 5 % Frauen

Quellen:

LVG
Wikipedia


Psychiatrische Unterbringung

Die psychiatrische Unterbringung ist eine besondere Maßnahme im deutschen Recht: Dabei wird eine Person nicht zur Strafe, sondern zur Behandlung und Gefahrenabwehr in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

Was bedeutet das genau?

Es geht um Fälle, in denen jemand eine Straftat begangen hat (oder als gefährlich gilt), aber wegen einer schweren psychischen Erkrankung nicht oder nur eingeschränkt schuldfähig ist.
Rechtsgrundlage ist u. a. § 63 des Strafgesetzbuch (Deutschland).

Wann wird jemand psychiatrisch untergebracht?

Ein Gericht ordnet das an, wenn:
• eine schwere psychische Störung vorliegt
(z. B. Psychose, schwere Persönlichkeitsstörung)
• die Person deshalb nicht schuldfähig oder stark eingeschränkt ist
und von ihr weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht

Wo findet das statt?
In speziellen forensischen Psychiatrien (Maßregelvollzug)
Nicht im normalen Gefängnis

Beispiel:
Isar-Amper-Klinikum Forensik

Wie läuft die Unterbringung ab?
Unterbringung in einer gesicherten Klinik
Kombination aus:
• Therapie (Medikamente, Gespräche, Verhaltenstherapie)
• Sicherheitsmaßnahmen (ähnlich Gefängnis, aber medizinisch geprägt)

Ziel:
Behandlung + Verringerung der Gefährlichkeit

Wie lange dauert das?
Das ist ein entscheidender Unterschied zum Gefängnis:
Keine feste Dauer. Die Unterbringung endet erst, wenn die Person nicht mehr gefährlich ist

Das kann bedeuten:
• wenige Jahre
• oder deutlich länger als eine normale Haftstrafe

Wer zahlt das?
Die Kosten trägt der Staat (Bundesländer)
Sehr teuer: oft 300 € bis über 500 € pro Tag

Wichtige Besonderheiten
Es gilt: „Therapie statt Strafe“
Regelmäßige Überprüfung durch Gerichte
Lockerungen (Ausgänge etc.) erst bei stabiler Entwicklung

Kurz zusammengefasst
Psychiatrische Unterbringung = Behandlung statt Gefängnis
Für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen
Ziel: Gefahr reduzieren, nicht bestrafen
Dauer: unbestimmt, abhängig vom Zustand.

Wie viele Menschen sind untergebracht?

Deutschland gesamt (2022)
Insgesamt etwa 12.000 – 13.000 Personen im Maßregelvollzug
davon:
ca. 8.000 in forensischen Psychiatrien (§ 63 StGB)
ca. 4.000 in Entziehungsanstalten (§ 64 StGB)

Das entspricht ungefähr jedem fünften bis sechsten „freiheitsentzogenen“ Straftäter (Gefängnis + Psychiatrie zusammen gedacht).

Aufteilung nach Männern und Frauen

Die Geschlechterverteilung ist noch einseitiger als im Gefängnis:
Männer: ca. 93–94 %
Frauen: ca. 6–7 %

In absoluten Zahlen (grob gerechnet):
Männer: ca. 11.000–12.000
Frauen: ca. 700–900

Beispiel:
2019 waren es 11.553 Personen, davon 891 Frauen (~7,7 %)

Wie lange bleiben diese Menschen dort?

Die Aufenthaltsdauer ist ein zentraler Punkt – und deutlich anders als im Gefängnis:

Durchschnittswerte
ca. 5–8 Jahre im Schnitt
früher: etwa 5,9 Jahre
später: bis 8 Jahre angestiegen

In einzelnen Bundesländern (z. B. Hessen):
etwa 6 Jahre durchschnittlich
Wichtig: große Spannweite
manche: 2–3 Jahre
viele: 5–10 Jahre
einige: über 10 oder sogar 20 Jahre

Grund:
Die Dauer hängt nicht von der Straftat, sondern von der Frage ab:
Ist die Person noch gefährlich?

Einordnung (entscheidend)
Maßregelvollzug ist keine Strafe, sondern Therapie + Sicherung
Deshalb:
• keine feste Haftdauer
• Entlassung nur bei positiver Prognose
• Dadurch entstehen oft längere Aufenthalte als im Gefängnis

Kurz zusammengefasst
Gesamt: ca. 12.000–13.000 Personen
Männer: ~93–94 %
Frauen: ~6–7 %

Durchschnittliche Dauer:
ca. 5–8 Jahre, in der Praxis oft länger möglich

Quellen:
DGPPN
PMC
Sonntagsblatt
Wikipedia